Permafrost unter Beobachtung:
Neuinstrumentierung von zwei Tiefenbohrungen im Inneren des Kitzsteinhorns
Ermöglicht wurde die Neuinstrumentierung durch das EU-geförderte Projekt FROST.INI (Interreg VI-A Italien–Österreich 2021–27). Der Hanna-Stollen, der die Nord- mit der Südseite des Kitzsteinhorns verbindet, bietet einen einzigartigen Zugang ins Berginnere. Dort dokumentieren die Sensoren den Temperaturverlauf entlang der beiden Bohrlöcher und machen so Veränderungen im Inneren der Gipfelpyramide sichtbar.
Die neuen Daten ermöglichen künftig eine präzisere Analyse von Permafroständerungen in Abhängigkeit von Felstiefe und Exposition. Solche Informationen sind selten, da an vielen alpinen Monitoring-Standorten kaum gleichzeitig erhobene Daten aus mehreren Tiefenbohrungen vorliegen. Mit der Wiederaufnahme der Messungen im Hanna-Stollen wird die bestehende Temperatur-Zeitreihe nun entscheidend erweitert. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise auf die Hang- und Felsstabilität im Kontext der aktuellen klimatischen Erwärmung– ein zentraler Aspekt für Naturgefahrenmanagement, Infrastruktursicherheit und alpinen Tourismus.
Die neu instrumentierten Bohrungen im Inneren des Berges stellen einen potenziell wichtigen wissenschaftlichen Lückenschluss dar. Während von der Geländeoberfläche ausgehende Permafrostbohrungen aus technischen und wirtschaftlichen Gründen meist auf wenige Zehnermeter begrenzt sind, ermöglichen die Stollenbohrungen direkte Einblicke in thermische Prozesse in deutlich tieferen Bereichen des Berges. Dadurch können bestehende Modellvorstellungen zur thermischen Dynamik alpiner Permafrostkörper besser überprüft und validiert werden. Darüber hinaus kann die Rolle des Wärmetransports durch Kluftwasser in großen Tiefen untersucht und der Frage nachgegangen werden, wie rasch klimabedingte Temperatursignale in das Berginnere eindringen. Langfristig könnten die Messungen dazu beitragen, die Mächtigkeit alpiner Permafrostkörper besser abzuschätzen und deren zukünftige Entwicklung präziser zu bewerten.
Die ersten Messergebnisse nach einem halben Jahr belegen eine robuste Datenaufnahme mit konstanten Temperaturverläufen in allen Tiefen. Felstemperaturen unter 0 °C wurden dabei durchgängig ab einer Tiefe von 4.7 m im Stollenbohrloch B4 und ab 7.3 m Tiefe im Stollenbohrloch B5 aufgezeichnet.